Jo Siffert & Jacques Deschenaux

Das Leben von Jo Siffert

Jo Siffert starb wie Ayrton Senna, indem er das Geheimnis seines Todes mit ins Grab nahm.

«Der Tod Jo Sifferts rüttelte die Menschen in der Schweiz verhältnismässig gleich stark auf wie jener von Ayrton Senna in Brasilien, und nicht weniger als 50 000 Personen versammelten sich damals bei seiner Beerdigung in den Strassen Freiburgs, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.» Dies stellt Jacques Deschenaux fest, Biograph von Jo Siffert und ehemaliger Sportchef beim Westschweizer Fernsehen.

Dieser Vergleich zwischen Jo Siffert und Ayrton Senna veranschaulicht perfekt die mythische Dimension, derer sich diese beiden Champions je in ihrem Heimatland auch heute noch erfreuen. Beide starben übrigens auch in der Blüte ihrer Jahre, am Steuer ihres Rennwagens, ohne dass der technische Defekt, der ihnen das Leben kostete, jemals genau bekannt geworden wäre. Über dieses dramatische Ende hinaus unterscheidet sich Jo Siffert von Ayrton Senna allerdings durch die Tatsache, dass er aus einer sehr armen Familie stammte.



Grossen Preis von Ostereich 1971
Seine grossartige Karriere, die ihm vor allem zwei Grosse Preise der Formel 1 sowie drei Markenweltmeistertitel für Porsche in den Jahren 1969, 1970 und 1971 mit insgesamt 14 Einzelsiegen einbrachte, verdankte er in erster Linie seinem gewaltigen Willen. «Bei null und mit nichts beginnend, hat er bewiesen, dass im Automobilrennsport wie im Leben jeder ans Ziel gelangen kann, das er sich in vernünftigem Rahmen gesetzt hat, wenn er den Willen, die Entschlossenheit und die Fähigkeit dazu hat. Jo Siffert war ein herausragendes Beispiel dafür», schätzt Jacques Deschenaux am Ende seines Buches «Jo Siffert, tout pour la course».

Der gewaltige Wille, der Jo Siffert zu einem der besten Autorennfahrer seiner Epoche machte und ihn zudem aus der Armut befreite, hat auch Men Lareida beeindruckt, den Regisseur des Films «Jo Siffert – Live Fast, Die Young» (lebe schnell, stirb jung), den er 2005 am Filmfestival von Locarno vorstellte: «Das Leben Jo Sifferts ist ein regelrechter Roman und eignet sich perfekt dafür, in einem Film erzählt zu werden. Jo kam in der Tat in sehr armen Verhältnissen in der Freiburger Unterstadt zur Welt und setzte alle seine Ersparnisse ein, um seinen Kindertraum, Formel-1-Pilot zu werden, wahr werden zu lassen. Und als er ihn endlich verwirklichte, wurde er auf dem Höhepunkt seines Ruhms dahingerafft.»

Meilensteine

Es würde zu weit führen, hier die ganze Karriere des besten Piloten, den die Schweiz neben Clay Regazzoni jemals kannte, ausführlich zu schildern. Daher sollen Ihnen die folgenden Zeilen Jo Siffert, seine Karriere, seine Erfolge sowie einige der Meilensteine seines Lebens näher bringen. Diese gehören heute noch, fast vierzig Jahre nach seinem Tod am 24. Oktober 1971 in Brands Hatch, der durch einen mechanischen Defekt verursacht worden war, zur Geschichte des Automobilrennsports.

DER LETZTE FORMEL-1-SIEG EINES PRIVATEN RENNSTALLS

Brands-Hatch 1968
Der Sieg Jo Sifferts beim Grossen Preis von Grossbritannien am 20. Juli 1968 auf dem Lotus 49 des Rennstalls von Rob Walker ist auch heute noch der letzte, der von einem privaten Rennstall in einem Weltmeisterschaftsrennen der Formel 1 verbucht werden konnte. Es handelte sich ebenfalls um den ersten Einzelsieg eines Piloten schweizerischer Nationalität in einem Grossen Preis, der für die Formel-1-Weltmeisterschaft zählte. Ein zweites Formel-1-Rennen gewann er am 15. August 1971 beim Grossen Preis von Österreich, als offizieller BRM-Pilot.

Es war Jo Siffert, der den Champagner als Erster schüttelte

Seit wann schütteln die Piloten auf dem Podest nach dem Rennen eine Champagnerflasche? Seit dem 11. Juni 1967. An jenem Tag ging das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu Ende. Jo Siffert, zum zweiten Mal in Folge Sieger in der Indexwertung, hat grosse Mühe, die Champagnerflasche zu entkorken. Da fällt ihm ein, er könnte sie schütteln und die Piloten begiessen, die mit ihm das Podest des 24-Stunden-Rennens teilen! Diese Tradition, die von Jo Siffert ins Leben gerufen wurde, setzt sich bis heute fort.

ER WAR PERFEKT ZWEISPRACHIG

Es gibt nicht viele Schweizer Persönlichkeiten, deren Aura noch Jahrzehnte nach ihrem Tod weiter ausstrahlt. Jo Siffert gehört zweifellos zu ihnen. Dies bezeugen eindrücklich die Gedenkfeiern zum zehnten, zwanzigsten und fünfundzwanzigsten Todestag des ehemaligen Formel-1-Piloten. Und auch der dreissigste Jahrestag 2001 bildete hier keine Ausnahme.

In der Tat wurden dem viel zu früh verstorbenen «Seppi» unzählige Ehrerbietungen zuteil, und dies nicht nur in seinem Geburtskanton Freiburg, sondern auch in der übrigen Schweiz und selbst in Europa. So widmeten ihm die französischen Zeitschriften Auto-Hebdo und die Revue de l'automobile historique beispielsweise drei beziehungsweise sechzehn (!) Seiten. La Gruyère, Le Nouvelliste und die Revue automobile sowie die Deutschschweizer Medien Berner Zeitung, Automobil Revue und Tele-Bärn brachten ebenfalls mehrere Reportagen über ihn, was Aufschluss über die Popularität gibt, die das Kind der Freiburger Unterstadt – das Französisch genauso gut beherrschte wie Deutsch – in den beiden grössten Sprachregionen der Schweiz genoss.

DER LOBPREIS DER FRANZOSISCHEN SPORTTAGESZEITUNG L'EQUIPE

Aber noch weit mehr als seine Zweisprachigkeit und seine nationale Ausstrahlung hat ihm der Umstand, dass er es aus einem sehr bescheidenen Milieu bis ans Firmament des Automobilrennsports geschafft hat, eine Dimension verliehen, die weit über den sportlichen Bereich hinausreicht. Darüber hinaus war der Erfolg von Jo Siffert, der am 7. Juli 1936 in einer sehr armen Familie zur Welt kam, für die Freiburger etwas Balsam fürs Herz, zu einer Zeit, als man sich in der Schweiz, und besonders in der Westschweiz, über den Kanton Freiburg ein wenig lustig machte. «Der Vorstoss Jo Sifferts in die vorderen Ränge der internationalen Sportszene bedeutete den schlagenden Gegenbeweis für alle, die dachten, dass die Freiburger nur unterentwickelte Bauern seien, die schlecht röchen», meint Jacques Deschenaux, der ehemalige Sportchef des Westschweizer Fernsehens. Am Tag nach dem Tod des Freiburger Rennfahrers erwies ihm die ganze Presse einstimmig ihre Hommage. Im Laufe seiner zehn Saisons in der Formel 1, die von den beiden grossartigen Siegen in Brands Hatch 1968 und in Zeltweg 1971 gekrönt waren, hatte er ein enormes Sympathiekapital angehäuft. So war in der französischen Sporttageszeitung L'Equipe vom 25. Oktober 1971 zu lesen, dass Jo Siffert einer der beliebtesten Rennfahrer war: «Er war wie alle Rennfahrer schnell, geschickt und kämpferisch. Aber er hatte noch mehr als die anderen, etwas anderes: Seiner Gewandtheit kam nur noch sein erstaunlicher Mut gleich. Dieser Mut erschien umso grösser, als er nur lachend darüber sprach, wenn man ihn nach einem seiner Erfolge fragte, wie das Rennen verlaufen war.»

DIE KOMPLIMENTE DER GAZZETTA DELLO SPORT

Die Gazzetta dello Sport ihrerseits bezeichnete Jo Siffert als den vollständigsten aller Rennfahrer: «Er machte zwischen den verschiedenen Wagentypen, die man ihm anvertraute, überhaupt keinen Unterschied.» Peter Falk, der ehemalige Rennleiter bei Porsche, der Firma, für die Jo Siffert in der Markenweltmeisterschaft vierzehn Siege errungen hatte, zeigte sich überzeugt, dass «Seppi ohne den geringsten Zweifel der beste Rennfahrer seiner Generation war».

«Wo es kein Risiko gibt, gibt es kein Leben.»

«Sein Leben war das Rennen, das Rennen war sein Tod», schrieb Jacques Deschenaux in den Spalten der Schweizer Tageszeitung La Liberté vom 25. Oktober 1971, dem Tag nach jenem tragischen Formel-1-Rennen, bei dem Jo Siffert den Tod fand. Ironie des Schicksals: Dieser Wettkampf, der nicht für die Formel-1-Weltmeisterschaft zählte, hätte nicht stattgefunden, wenn der Mexikaner Pedro Rodriguez, der Teamgefährte Sifferts sowohl bei BRM als auch bei Porsche, nicht am 11. Juli 1971 auf dem Norisring umgekommen wäre.
Letzte Start

Am 24. Oktober hätte der Grosse Preis von Mexiko durchgeführt werden sollen.

Aber da das Land drei Monate zuvor sein Idol verloren hatte, brachten es die mexikanischen Organisatoren nicht mehr übers Herz, einen Grand Prix zu veranstalten. Die Briten, die über den zweiten Weltmeisterschaftstitel ihres Landsmannes Jackie Stewart überglücklich waren, übernahmen also dieses frei gewordene Datum, um in Brands Hatch zu dessen Ehren ein Rennen durchzuführen. 

Es zählte für keine der Meisterschaften, und für einmal wünschte Jo Siffert nicht, daran teilzunehmen. In der Tat hatte er das Recht, etwas genug zu haben, war doch die Saison 1971 mit der Kleinigkeit von vierzig Rennen reich gefüllt.

«Ich erinnere mich sehr gut daran, dass er überhaupt keine Lust hatte, diesen Wettkampf zu bestreiten», erinnert sich Simone Siffert, Jos Witwe. «Am selben Tag hätte er in Japan am Steuer eines Porsche 917 sitzen sollen, den er in den USA für die CanAm fuhr. Bezüglich des Transports des Wagens vom kanadischen Edmonton, dem Schauplatz des letzten Rennens der CanAm-Meisterschaft, nach Japan gab es allerdings Probleme, und Seppi bestand nicht darauf. Er sagte sich unter anderem, dass er es einem Freund wie Jackie Stewart, der zu jener Zeit auch in der Schweiz lebte, in Begnins (VD), schuldig sei, in Brands Hatch anwesend zu sein.»
 

Die nachfolgenden Ereignisse sind bekannt: Auf dem Rundkurs von Brands Hatch, wo er im Jahre 1968 seinen ersten Formel-1-Grand-Prix errungen hatte – das letzte Rennen, das von einem Privatpiloten gewonnen wurde –, sollte Jo Siffert in der 16. Runde, in der Mike-Hawthorn-Kurve, sein Leben verlieren. Mit über 200 Stundenkilometern kam sein BRM von der Piste ab, ging fast sofort in Flammen auf, und Seppi erstickte. Ob es sich wohl um einen defekten Reifen handelte, der immer mehr Luft verlor, wie es ihm bereits einige Wochen zuvor beim Grossen Preis von Österreich passiert war, wo er trotz allem seinen zweiten Formel-1-Sieg geholt hatte? Oder war nicht vielmehr das Getriebe blockiert? Wie Jim Clark, Jochen Rindt und Pedro Rodriguez vor ihm und wie Ayrton Senna starb Joseph Siffert wie die ganz grossen Champions, indem er das Geheimnis seines Todes ins Grab mitnahm.

An seiner Beerdigung prägte Père Duruz einen Satz, der seither sehr berühmt geworden ist:

«Wo es das Risiko gibt, gibt es den Tod. Wo es kein Risiko gibt, gibt es kein Leben.»

 

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